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Lehrgang mit Shirai Sensei in Dingolfing (Deutschland)

Dingolfing, 01. August 2009


Der Sommerlehrgang mit Shirai Sensei hat beim DTKV, der als Veranstalter den Großmeister jährlich einlädt, bereits Tradition. So durften wir einen sehr intensiven Tag mit Shirai Sensei verbringen. 5 1/2 Stunden Training an einem Tag zerren natürlich an den körperlichen und geistigen Kräften. Aber unvergesslich bleiben die Eindrücke, die wir nach Hause mitbringen.

Zunächst übten wir unter den strengen Blicken des Meisters "einfache" Kihon Kombinationen. Shirai Sensei legte dabei großen Wert auf die korrekte Ausführung der Techniken und den Einsatz des HARA - der Kraft aus dem Zentrum des Körpers. Um die Wirkung der Kombinationen zu überprüfen, ließ uns Shirai Sensei die Techniken sogleich mit dem Partner üben. In der langsamen, aber sehr bewussten Ausführung der Faust- und Fußbewegungen lernten wir unsere Atmung richtig einzusetzen.

Im Oberstufentraining beschäftigten wir uns mit dem Shodan-Kihon-Programm, das leicht abgeändert geübt wurde und im Anschluss Einzug in mehrere Kumite-Kombinationen Anwendung fand. Wir übten die Techniken stets langsam und schnell, aber immer mit KIME - der Einheit von körperlicher Kraft und geistiger Konzentration, ohne dessen Karate reduziert wird auf das bloße strecken von Armen und Beinen.

"Zeit spielt keine Rolle"

Shirai Sensei ist 72 Jahre alt. Aber keineswegs gebrechlich und schwach - im Gegenteil: sein Äußeres wirkt robust und stark, sein Geist ist hellwach. Er übersieht keinen Fehler. Manchmal sieht er einem zu und sagt nichts, man weiß man hat etwas falsch gemacht - aber er sagt nichts. Ein Blick in seine Augen, die einem schwarz entgegenblicken, ohne Ausdruck von Emotionen, lässt aber erahnen: er hat alles erkannt. Man kann eben einem Meister nichts vormachen.

In der Nachmittagseinheit war nach 2 Stunden Training eine halbe Stunde Pause vorgesehen. Anschließend sollte noch eine Stunde Unterricht folgen. Shirai Sensei ignorierte aber hartnäckig diese kurze Erholungszeit mit den einfachen Worten "Zeit spielt keine Rolle" und ließ uns weiter üben. Wenn also Zeit für einen 72 Jahre alten Mann keine Rolle mehr spielt, sollten wir daraus eine Lehre ziehen. Mag sein, dass wir dem Faktor "Zeit" in unserem Leben zu viel Bedeutung beimessen ...

Sich zeitnehmen für die Verbeugung

Weiters beschäftigten wir uns mit einzelnen Anwendungs-Sequenzen der Kata Heian Nidan. In der Oberstufe studierten wir die Kata Unsu (Wolkenhände). Zunächst die Form und im Anschluss das Bunkai. Meister Shirai erklärte, dass Unsu zu den höchst entwickelten Kata im Shotokan-Karate gehört.

Wie ein roter Faden zog sich Shirai Sensei´s Ermahnung vom Anfang bis zum Ende des Trainingstages. Immer wieder ermahnte er uns „sich Zeit zu nehmen für die Verbeugung“. Er tadelte uns sehr oft deswegen, viele haben es aber dennoch nicht verstanden. Es liegt wohl in der Natur der heutigen Zeit eine Sache noch nicht richtig beendet zu haben, aber mit den Gedanken schon wieder wo anders zu sein. Auch diese Weisheit sollten wir uns zu Herzen nehmen.